Nihiling – Batteri; zweigeteilt

Post- Rock als Genre ist ja so eine Sache: Auf der einen Seite steht der Begriff für musikalische Experimente, sowie das Aufbrechen von gängigen Songstrukturen zugunsten der Atmosphäre etc. und auf der anderen Seite aber auch für musikalischen Einheitsbrei der Marke „epische Olympia-Stadionmusik“. Nihiling aus Hamburg werden meist auch diesem Genre zugerechnet und stehen mit ihrem mittlerweile vierten Album in den Startlöchern. Was an „Batteri“ so spannend ist und warum es sich hierbei meiner Meinung nach ganz bestimmt nicht um Einheitsbrei handelt klären wir im Detail:

„Ottersong“ beginnt treibend mit Gesang und Schlagzeug, ehe sich die Band dazu gesellt, um sich danach wieder auf die drei Stimmen der Band zu fokussieren. Im Folgenden schaukelt sich der Song mit flackernden Synthies hoch, etabliert danach ein neues Thema und entlädt sich schließlich, ohne dabei übertrieben episch zu klingen. Mit „Power Rangers“ schlägt die Band in eine ähnliche Kerbe und klingt dabei entfernt nach the xx. Der Song entwickelt einen guten Fluss und besticht abermals durch die mehrstimmigen Vocals, die sich gut in das Instrumental einfügen. Nach dem atmosphärischen „Lungs“ folgt mit „Rope“ das vielleicht spannendste Stück der Platte. Der zurückhaltende Beat mit den wabernde Synthies und den hohen Vocals bilden eine dichte Atmosphäre, die durch die wiederkehrenden Harmonien der Gitarre angereichert wird. Der Song erinnert mich an Archive, entwickelt sich stetig weiter und schießt selbst auf dem Höhepunkt nicht über das Ziel hinaus, sondern entwickelt meiner Meinung nach genau das richtige Maß an Intensität. Nach der Hälfte des Albums verschiebt sich der Fokus weg vom Gesang hin zu weitgehend instrumentalen Stücken. „Prey“ fängt getragen an, im weitern Verlauf stellt sich dann aber eine gewisse Tanzbarkeit ein, wohingegen „Cellardoor“ sehr getragen daherkommt und ein Cello in den Mittelpunkt stellt. Mit „Idiot“ bleibt es ähnlich getragen, jedoch wird der Härtegrad etwas nach oben geschraubt und die Gitarren übernehmen die Hauptrollen. „Funeral“ beendet das Album schließlich, kommt ohne Beat aus, schaukelt sich immer weiter hoch und wirkt dabei sehr soundtrack-artig – schöner Abschluss.

„Batteri“ ist ein sehr gelungenes Album und ein gutes Beispiel dafür, dass der Begriff Post-Rock eben auch für musikalisches Vielfalt und nicht nur für epische Bergsteigermusik stehen kann. Nihiling klingen gerade in der ersten Hälfte des Albums angenehm leicht und unaufgeregt und präsentieren sich im zweiten Abschnitt deutlich nachdenklicher und schwerer. Ein Album mit zwei Facetten also, das ich definitiv empfehlen möchte. Auch der Sound lässt nichts zu wünschen übrig; die Produktion von Gregor Hennig aus dem Studio Nord in Bremen hat sich voll und ganz ausgezahlt. Also, ob nun Indie-, Post- oder was auch immer Fan – unbedingt anhören.

 

Und zwar hier: https://kapitaenplatte.bandcamp.com/album/nihiling-batteri

 

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